Archiv für Dezember 2010

Wikingerversand dichtmachen!

„>

Der Wikingerversand in Geiselhöring ist einer der wichtigsten neonazistischen Versände in ganz Deutschland. Egal ob rechtsextreme Tonträger, Kleidung, Literatur – alles was der kaufwütige Nazi sucht, findet er hier. Mit dem Verkauf dieser Artikel werden jährlich ca. 500.000€ umgesetzt (laut a.i.d.a.).

Im Februar 2010 wurde außerdem bekannt, dass ein Pils Pub direkt neben dem Verkaufsraum eröffnet werden soll. Zwar soll es sich hierbei um ein „politikneutrales, rein wirtschaftliches Vorhaben“ handeln, jedoch liegt es auf der Hand, dass damit nur neue Räume für die niederbayerische Naziszene erschlossen werden sollen.

Dennoch gilt Betreiber Siegfried Birl, ehemaliger Landesvorsitzender der JN in Bayern und NPD Mitglied, laut Bürgermeister Krempl als „Geschäftsmann unter vielen“. Gleichzeitig jedoch wurde in der Vergangenheit antifaschistisches Engagement kriminalisiert und diffamiert.

Mehrmals im Jahr wird Geiselhöring schließlich zum Anlaufpunkt zahlreicher Neonazist_innen. Anlass hierfür sind die sog. „Sonderverkäufe“, bei denen sich in gemütlicher Atmosphäre über die rechte Gesinnung ausgetauscht und die neueste Rechtsrock-CD oder das neueste T-Shirt, mit dem die absurde Gesinnung zum Ausdruck gebracht werden soll, gekauft wird. Dieses „Event“ zieht jedes Mal wieder eine Vielzahl von Besucher_innen an.

Am 11. Dezmeber soll in Geiselhöring wieder ein solcher Sonderverkauf stattfinden…

Schon viel zu lange kann der Wikingerversand nahezu ungestört Artikel, hinter denen ein nationalistisches, rassistisches, antisemitisches und geschichtsrevisionistisches Weltbild steckt, verbreiten. Im Rahmen der antifaschistischen Kampagne „Wikingerversand dichtmachen // reloaded“ wollen wir daher alle an diesem Tag nach Geiselhöring und zeigen, dass es für Naziläden und die damit verbreitete Gesinnung keinen Platz gibt.

NAZILÄDEN SCHLIESSEN

ES GIBT KEIN RUHIGES HINTERLAND

ANTIFA DEMO: 13.00 BAHNHOF GEISELHÖRING | MEHR INFOS: Wikingerversand dichtmachen!

Nachbericht Neonazidemo in Su-Ro

Trotz der kurzen Mobilisierungszeit von nicht ganz 2 Tagen, befanden sich am vergangenen Samstag 350 Antifaschist_innen und Sulzbach-Rosenberger Bürger_innen am Bahnhof als die Nazis aus Amberg eintrafen.
Die Gegendemonstrant_innen hatten inzwischen die Bahnhofsstraße blockiert, nachdem kurz zuvor der Bahnsteig von der anwesenden Polizei geräumt wurde, und empfingen die ca. 50 Neonazis mit ‚Nazis raus!‘ Rufen. Daraufhin stand der Demonstrationszug eine knappe dreiviertel Stunde nahe dem Bahnhof, bis er begann die Demoroute in entgegengesetzter Richtung zu laufen. Doch mehr als 100 Meter weit kamen sie nicht, da inzwischen schon bei der Berufsschule blockiert wurde. Das hatte eine weiter halbstündige Verzögerung zur Folge, woraufhin die Nazis wieder in die andere Richtung marschierten und von der immer noch bestehenden Blockade am Bahnhof am weiterlaufen gehindert wurden.
Nun versuchten die Bullen die noch verbliebenen Blockierer_innen zu kesseln, was ihnen nicht gelang. Trotzdem wurden einige ältere Bürger_innen geschubst und getreten.Ein Antifaschist wurde grundlos verhaftet – ihm sollten noch 6 weitere folgen.
Währenddessen standen sich die Faschos immer noch die Beine vor dem Bahnhof in den Bauch und die Einsatzleitung forderte die Gegendemonstrant_innen auf die Blockade aufzulösen. Dem wurde natürlich nicht nachgekommen, im besonderen nicht nachdem sich über 10 Stadtratsmitglieder_innen sowie der Bürgermeister an der Blockade beteiligten.
Trotzdem wurde immer mehr Polizei von den Nazis abgezogen um sich um die Gegendemonstrant_innen zu stellen, bis fast keine Einsatzkräfte mehr bei den Rechten standen.
Die Gelegenheit nutzten die Faschos, lösten kurzerhand die Demonstration gegen 14:30 Uhr auf und rannten ohne Begleitung durch die Polizei in Richtung Innenstadt. Die durch den Stadtpark zur Berufsschule laufenden Antifaschist_innen wurden von einem ca. zehnköpfigen Schlägertrupp der Nazis aufgehalten, um den Blockadeversuch zu verhindern.
Dann sammelten sich die Nazis vor dem selbstverwalteten „Jugendclub Bureau“ und feierten sich unter massivem Polizeischutz selbst – so nah kommen sie dem Laden selten ohne ernsthafte Probleme zu kriegen.
Währenddessen sonderte sich ein kleiner Trupp der Nazis ab und zog mit Zaunlatten und Schaufeln bewaffnet durch die Neustadt. Glücklicherweise konnten sie von mehreren Antifaschist_innen in einer Sackgasse festgehalten werden bis sie verhaftet werden konnten.
Nach einer guten Stunde Fahnenschwenkens wurden die Nazis im USK-Kessel zurück zum Bahnhof eskortiert, wo sie mit dem nächsten Zug um 16:30 Uhr in Richtung Amberg verschwanden.
In Amberg wurde noch eine kurze Spontandemonstration abgehalten, wobei 2 Nazis vorläufig festgenommen wurden. Zuletzt kehrten sie in die rechte Stammkneipe „500“ am Amberger Ring ein.

An diesem Tag hat die Polizei ums wiederholte Mal ihre Inkompetenz unter Beweis gestellt. Statt den gewaltbereiten Demonstrationszug des „Freien Netz Süd“ zu sichern, wird die zum großen Teil aus Bürger_innen bestehende Gegenveranstaltung gekesselt. Nur durch dieses Zuwirken war es überhaupt möglich, dass die gesamte Demonstration auf eigene Faust durch die Sulzbach-Rosenberger Innenstadt marschiert. Es war nichts anderes als Glück, dass weder Sach- noch Personenschäden entstanden sind.
Trotz dieses Ausbruchs wurde die Demonstration erfolgreich blockiert. Die Öffentlichkeitswirkung auf der lediglich 750 Meter langen Strecke, die sie dank der Polizei laufen konnten, war miserabel. Es gab keine Kundgebung und keinerlei vermittelte Inhalte bei der Bevölkerung.
Auch wenn die Amberger Rechte sich als Sieger feiert, wissen wir genauso wie sie selbst, dass Siege anders aussehen!

Wir bedanken uns bei allen die geholfen haben, die Nazis zu blockieren und ihnen zu zeigen, dass in Sulzbach kein Platz für Faschisten ist!